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Eine C3-Glomerulopathie (kurz C3G) ist sehr selten. Häufig macht sie sich durch Blut im Urin oder schaumigen, eiweißhaltigen Urin bemerkbar. Der Weg zur Diagnose der C3-Glomerulopathie beinhaltet neben der ärztlichen Befragung und der körperlichen Untersuchung auch eine Urinkontrolle sowie eine Blutuntersuchung. Im Blut lassen sich Veränderungen des Komplementsystems und der Antikörper feststellen. Eine zusätzliche Untersuchung des Erbguts kann weiteren Aufschluss über die Erkrankung liefern. All diese diagnostischen Schritte reichen jedoch nicht aus, um die Diagnose C3-Glomerulopathie sicher stellen zu können. Erfahren Sie, warum die Gewebeprobe aus der Niere hierbei nicht fehlen darf.1,2 

Körperliche Hinweise auf eine C3-Glomerulopathie 

Menschen mit sichtbarem Blut im Urin sollten immer ärztlichen Rat suchen. Es gibt vielerlei Gründe hierfür, ein seltener Grund kann die C3G sein. Bei der C3-Glomerulopathie findet sich häufig auch ein schaumiger Urin, der entsteht, weil Eiweiß über den Urin verloren geht. Die Erkrankung tritt bei jedem zweiten Betroffenen als sogenanntes nephrotisches Syndrom in Erscheinung.4,5 Dieses zeigt sich durch Wassereinlagerungen in den Beinen oder anderen Körperstellen. 

In manchen Fällen kann sich bei der C3G auch ein erhöhter Blutdruck bemerkbar machen. Ist die C3-Glomerulopathie bereits fortgeschritten, treten Zeichen einer Nierenschwäche wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und eine verringerte Harnmenge bei Betroffenen auf. Bei den genannten Beschwerden sollten Sie nicht zögern, ärztlichen Rat einzuholen. Ärzt*innen können so den Ursachen der Symptome auf den Grund gehen und eine Therapie in die Wege leiten. 

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Stadtkarte mit roter Markierung.
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Diagnose der C3-Glomerulopathie: Laboruntersuchungen 

Um die Diagnose C3-Glomerulopathie stellen zu können, werden verschiedene Laboruntersuchungen durchgeführt. 

Urinwerte bei C3G 

Im Harn können rote Blutkörperchen (Erythrozyten) festgestellt werden. Manchmal sind sie mit dem bloßen Auge durch eine Rotfärbung erkennbar. Ist die Menge der roten Blutkörperchen jedoch so gering, dass sie zu keiner Verfärbung des Urins führen, ist ein Nachweis nur mit einem Urintest oder mit dem Mikroskop möglich. Der Eiweißverlust über den Urin ist bei der C3G in vielen Fällen hoch: Tritt ein nephrotisches Syndrom auf, beträgt der Verlust mehr als 3,5 Gramm Protein pro Tag.4 

Blutwerte bei C3G 

Menschen mit einer C3-Glomerulopathie weisen häufig niedrigere Konzentrationen des Komplementproteins C3 im Blut auf, da dieses beim Entzündungsprozess in den Nierenkörperchen vermehrt verbraucht wird.3 Die Untersuchung der Komplementproteine und deren Spaltprodukte im Blut dient nicht nur der Diagnose einer C3G, sie gibt auch Aufschluss darüber, wie aktiv das Komplementsystem ist.6 Lassen sich im Blut außerdem Autoantikörper nachweisen, erlaubt dies Rückschlüsse auf die mögliche Ursache der C3G.2 Diese Analysen gehören noch nicht zu den Routineuntersuchungen, sondern werden derzeit nur von spezialisierten Laboren durchgeführt.6 

Eine behandschuhte Hand hält ein Blutröhrchen, im Vordergrund steht ein Mikroskop.
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Nephrotisches Syndrom: Blutwerte  

Beim nephrotischen Syndrom, das häufig bei einer C3G auftreten kann, sind die Blutwerte verändert:4 

  • Das Gesamteiweiß und auch einzelne Eiweiße wie das wichtige Bluteiweiß Albumin sind vermindert. 
  • Die Blutfettwerte wie beispielsweise Cholesterin sind erhöht. 

 

Schematische Darstellung einer Lupe mit einem Tropfen


Ganz sicher diagnostizieren lässt sich eine C3-Glomerulopathie nur anhand einer Gewebeuntersuchung. Dazu wird ein kleines Stück Nierengewebe entnommen und unter dem Mikroskop auf Anzeichen der typischen Ablagerungen und Zellveränderungen untersucht.

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Gewebeprobe aus der Niere 

Um die Diagnose C3-Glomerulopathie endgültig stellen zu können, wird eine Gewebeprobe aus der Niere benötigt, eine sogenannte Nierenbiopsie. Dazu wird eine Niere mit einem halbautomatischen Biopsiegerät punktiert. Die Haut, das Unterhautfettgewebe und die Muskulatur werden vorher örtlich betäubt, die Nieren selbst sind nicht schmerzempfindlich. Über eine Führungsschiene wird die feine Nadel des Biopsiegerätes bis zur Niere vorgeschoben und durch einen Knopfdruck ein kleiner Gewebezylinder aus dem Nierengewebe gestanzt. Der Eingriff wird die ganze Zeit mit einem Ultraschallgerät kontrolliert, um die richtige Punktionsstelle zu finden und Verletzungen der umliegenden Organe zu vermeiden. Über das genaue Vorgehen und die möglichen Risiken werden Sie vorher ausführlich aufgeklärt. 

Unter dem Mikroskop lassen sich anschließend Ablagerungen des Komplementproteins C3 in den Nierenkörperchen erkennen. Die Anordnung dieser Ablagerungen und die Veränderung der zellulären Strukturen geben Aufschluss über die genaue Unterform der C3-Glomerulopathie.3 

Blauer Kreis mit Text: C3G

Wichtig zu wissen: Neben der C3-Glomerulopathie gibt es weitere seltene Nierenerkrankungen, bei denen es zu Ablagerungen in den Nierenkörperchen kommt, die Entzündungen und Schädigungen nach sich ziehen können. Eine davon ist die immunkomplexvermittelte membranoproliferative Glomerulonephritis (IC-MPGN). Anders als bei der C3G zeigen sich hier bei der Biopsie nicht überwiegend Ablagerungen des Komplementproteins C3, sondern von bestimmten Antikörpern – sogenannten Immunglobulinen. 


 

Bislang gibt es auch für die seltene Nierenerkrankung IC-MPGN noch keine zielgerichtete Behandlungsoption.8 Forscherteams untersuchen aber im Rahmen von Studien mögliche Therapieansätze. 

Schematische Darstellung der Nieren.

Genetische Untersuchung bei der C3-Glomerulopathie 

Die C3-Glomerulopathie kann verschiedene Ursachen haben. Neben Autoantikörpern, die fälschlicherweise gegen das Komplementsystem gerichtet sind, kann die C3G auch genetisch bedingt sein. Die Gene, die den Bauplan für die Bestandteile des Komplementsystems darstellen, sind bei Betroffenen verändert. Dadurch kommt es zu unterschiedlichen Fehlregulationen des Komplementsystems.7 Um zu erfahren, welche Gene bei der C3G verändert sind, wird eine Blutprobe entnommen und molekulargenetisch im Labor untersucht. Die betreffenden Abschnitte des Erbguts werden dazu vervielfältigt und quasi wie Wörter – Buchstabe für Buchstabe – analysiert, bis man das Wort erkennt und weiß, um welche Genveränderung es sich handelt.3 Die genetische Untersuchung kann also für die Ursachenabklärung hilfreich sein. Inwiefern bestimmte Veränderungen in den Genen diese möglicherweise beeinflussen, wie gut eine Behandlung wirkt oder ob es ein höheres Risiko für einen Krankheitsrückfall nach einer Transplantation gibt, muss noch weiter erforscht werden.2,9 

Grafik eines DNA-Strangs und einer Zelle, in der Chromosomen zu erkennen sind.
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Quellen

1. Hohenstein B. C3-Glomerulopathie und MPGN – aktuelle Klassifikationen. Deutsche Medizinische Wochenschrift. 2020;145:232-239. doi: 10.1055/a-0974-8418, letzter Aufruf am 01.03.2024. 
 
2. Heiderscheit AK, Hauer JJ, Smith RJH. C3 glomerulopathy: Understanding an ultra-rare complement-mediated renal disease. American Journal of Medical Genetics Part C: Seminars in Medical Genetics. 2022;190(3):344-357. doi: 10.1002/ajmg.c.31986, letzter Aufruf am 01.03.2024. 
 
3. Martin B, Smith RJH. C3 Glomerulopathy. In: GeneReviews® [Internet]. 2007. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK1425/, letzter Aufruf am 01.03.2024. 
 
4. Herold G und Mitarbeiter. Innere Medizin. Herold, Gerd (Hrsg.). 1. Auflage. 2021. 
 
5. Pschyrembel Online. Nephrotisches Syndrom. https://www.pschyrembel.de/Nephrotisches%20Syndrom/K0M39, letzter Aufruf am 01.03.2024. 

6. Zipfel PF, Skerka C. C3-Glomerulopathie: komplementvermittelt und sehr selten. Der Nierenarzt. 2020(3). CME-Fortbildung. http://kiv-s01.kundenfenster.de:8088/_storage/asset/2223585/storage/master/file, letzter Aufruf am 01.03.2024. 

7. Selbsthilfe für seltene komplementvermittelte Erkrankungen e. V. MPGN, C3G, DDD. https://www.ahus-selbsthilfe.de/erkrankungen/mpgn/, letzter Aufruf am 01.03.2024. 

8. Bundesministerium für Bildung und Forschung. DECODE - Definierte Stratifizierung von Patienten der C3-Glomeropathie oder der Immunkomplex-vermittelten glomerulären Erkrankung für eine verbesserte Diagnose und zugeschnittene Behandlung. https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/decode-definierte-stratifizierung-von-patienten-der-c3-glomeropathie-oder-der-immunkomplex-13933.php, letzter Aufruf am 01.03.2024. 

9. Smith RJH et al. C3 glomerulopathy - understanding a rare complement-driven renal disease. Nature reviews nephrology. 2019;15.3: 129-143. doi: 10.1038/s41581-018-0107-2, letzter Aufruf am 01.03.2024.