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Die Fatigue, auf Deutsch wörtlich Erschöpfung, ist vielen Menschen als Begleiterscheinung von Krebserkrankungen bekannt. Doch auch Menschen mit kranken Nieren sind häufig davon betroffen. Mehr als 70 Prozent der Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen berichten von Fatigue. Bei einem Viertel der Patient*innen treten schwere Erschöpfungssymptome auf, die stark belastend sein können.1 Doch was genau ist eigentlich Fatigue? Erfahren Sie, was sich hinter Fatigue verbirgt, welche Symptome typisch sind und wie sich gegensteuern lässt.

Definition: Was ist Fatigue?

Der aus dem Lateinischen stammende Begriff Fatigue bezeichnet einen Zustand körperlicher und geistiger Erschöpfung, der nicht im Verhältnis zu einer vorausgegangenen Belastung steht und sich durch Ruhephasen nicht bessert. Für Betroffene ist es dadurch schwierig, ihren Alltag zu bewältigen.2 Häufig tritt Fatigue bei Menschen mit Krebserkrankungen, Multipler Sklerose, Rheuma und Parkinson auf.2 Die starke Erschöpfung tritt aber auch vielfach im Zuge von Nierenerkrankungen auf. Von Fatigue können sowohl Patient*innen betroffen sein, die regelmäßig eine Dialyse (ein Therapieverfahren bei Nierenerkrankungen) erhalten, als auch diejenigen, die keine Dialyse benötigen.1 Oftmals tritt Fatigue als direkte Folge der Dialyse auf, Fachleute sprechen dann von Post-Dialysis Fatigue.3

Vielleicht sind Sie schonmal über den Begriff ME/CFS (Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrom) gestolpert. Dabei handelt es sich jedoch nicht um die Auswirkung einer Nierenerkrankung. Das Syndrom ist eine neuroimmunologische Erkrankung, die meist infolge von Infektionen wie COVID-19 beobachtet wird. ME/CFS gilt als eigenständige Krankheit, wohingegen Fatigue ein Symptom der chronischen Nierenerkrankung und anderen Erkrankungen ist.4

Ein Symptom kommt selten allein

Fatigue ist nur eines von vielen Symptomen, von denen Personen mit chronischen Nierenerkrankungen betroffen sein können. Oftmals treten mehrere Symptome zusammen auf. Fachleute sprechen von einem Symptomcluster.5 Fatigue kommt zum Beispiel besonders häufig zusammen mit Depressionen vor. Ebenso können andere Symptome wie etwa Juckreiz Schlafprobleme, Fatigue und Depressionen hervorrufen oder verschlimmern. Damit kann ein Symptom eine Gruppe an Symptomen auslösen.5

Schematische zweier Blitze.

Anzeichen von Fatigue bei Personen mit chronischen Nierenerkrankungen

Die Anzeichen von Fatigue bei chronischen Nierenerkrankungen umfassen: 1,6

  • Extreme und langanhaltende Müdigkeit
  • Schwäche und Erschöpfung
  • Schwierigkeit, alltägliche Aufgaben zu bewältigen
  • Muskelschwäche und geringe Ausdauer
  • Verringerte kognitive Leistung (zum Beispiel Aufmerksamkeit oder Gedächtnis)
  • Ängstliche oder traurige Stimmung
Eine Frau, die erschöpft auf einem Sofa sitzt.
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Fatigue kann die Lebensqualität der Patient*innen beeinträchtigen, indem sie ihre Motivation zur Fortsetzung der Behandlung verringert, ihre sozialen Beziehungen sowie ihr Berufsleben beeinträchtigt und ihre Schlafqualität verschlechtert.2,7

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Die Ursachen von Fatigue infolge von Nierenerkrankungen

Die körperlichen Ursachen für Fatigue als Folge einer Nierenerkrankung sind vielschichtig. Unter anderem haben Mediziner*innen Veränderungen im Sauerstofftransport, Schlafapnoe (Atemstillstand im Schlaf) und Herzerkrankungen beschrieben.1,6 Eine metabolische Azidose (Übersäuerung des Blutes) ist eine weitere Ursache für Fatigue und kann zu Gewebeschäden führen.1Blutarmut (Anämie) tritt bei einem Großteil der Betroffenen von chronischen Nierenerkrankungen auf und wurde in verschiedenen Studien ebenfalls als Risikofaktor für Fatigue identifiziert. Aufgrund der Blutarmut wird der Körper schlechter mit Sauerstoff versorgt, was wiederum zu Fatigue führen kann.1,8 Zudem vermuten Mediziner*innen, dass chronische Entzündungsprozesse, wie sie bei Nierenerkrankungen auftreten, zum Fortschreiten der Fatigue beitragen.Letztlich gilt: Viele Faktoren tragen zur Entwicklung einer Fatigue bei.

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Stadtkarte mit roter Markierung.
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Diagnose und Behandlung von Fatigue bei Nierenerkrankungen

Jede*r Betroffene*r erlebt Fatigue anders. An manchen Tagen kann sie sehr stark ausgeprägt sein, während sie an anderen kaum spürbar ist. Für die Diagnose der Fatigue stehen Ärzt*innen verschiedene Fragebögen zur Verfügung, die Fragen zu den Symptomen und der aktuellen Lebensqualität der Patient*innen umfassen. Diese Fragebögen können einen Anhaltspunkt zur Diagnose der Fatigue geben.1,8 Da die Gründe für Fatigue und auch das Auftreten der Symptome sehr vielschichtig sein können, gibt es auch viele unterschiedliche Behandlungsansätze. Kleine klinischen Studien zeigen, dass körperliche Aktivität einen positiven Einfluss auf Fatigue bei chronisch nierenkranken Personen haben kann.1,8 

Eine ältere Frau macht Yoga auf einer Matte.
iStock-1354213603_FreshSplash

In weiteren Studien wurde ein positiver Einfluss von Akupressur (Verfahren, bei dem auf den Körper Druck an bestimmten Stellen ausgeübt wird), Reflexzonenmassage und Yoga auf die Fatigue festgestellt.8 Liegt eine Blutarmut vor, ist es das Ziel, mithilfe von Medikamenten den Hämoglobinwert der Patient*innen zu verbessern.1,6 Das Eiweiß Hämoglobin ist wichtig für die Funktion der roten Blutkörperchen und damit für die Sauerstoffverteilung im Körper.9 Tritt eine Übersäuerung des Blutes auf, die sogenannte metabolische Azidose, lassen sich mithilfe von Natriumbikarbonat-Behandlungen Verbesserungen erzielen.1 Diese Medikamente wirken der Übersäuerung des Blutes entgegen.10 Haben Nierenpatient*innen eine begleitende Depression, ist es wichtig, zusätzlich psychotherapeutische Unterstützung hinzuzuziehen.6 

Mit der entsprechenden Behandlung kann oftmals eine Verbesserung der Fatigue-Symptome erzielt werden. Zudem gibt es viele Unterstützungsmöglichkeiten, die Ihnen den Alltag erleichtern können. Wichtig: Fatigue ist weit mehr als bloße Müdigkeit. Sie müssen sich weder mit anderen Menschen vergleichen noch rechtfertigen, wenn Ihnen an manchen Tagen die Energie fehlt. Achten Sie auf sich und erlauben Sie sich, auf die Signale Ihres Körpers zu hören.

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Eine Frau, die sich am Arm kratzt.
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Juckreiz bei Nierenerkrankungen

Bei chronischen Nierenerkrankungen schränkt häufig Juckreiz die Lebensqualität von Betroffenen ein. 

Eine Frau sitzt zusammengesunken in einem Flur.
iStock-1308753258_xijian

Weitere Folgen kranker Nieren

Chronische Nierenerkrankungen haben oft langfristige körperliche und psychische Auswirkungen.

Quellen

  1. Gregg LP, Bossola M, Ostrosky-Frid M, et al. Fatigue in CKD: Epidemiology, Pathophysiology, and Treatment. Clin J Am Soc Nephrol. 2021 Sep;16(9):1445-1455. doi: 10.2215/CJN.19891220, letzter Aufruf am 26.09.2024.
  2. Deutsche Fatigue Gesellschaft. Was ist Fatigue? https://deutsche-fatigue-gesellschaft.de/fatigue/was-ist-fatigue/, letzter Aufruf am 19.09.2024. 
  3. American Association of Kidney Patients. Let’s Talk About Your Dialysis Fatigue. https://aakp.org/lets-talk-about-your-dialysis-fatigue-2/, letzter Aufruf am 23.09.2024.
  4. Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e. V. https://www.mecfs.de/was-ist-me-cfs/, letzter Aufruf am 19.09.2024.
  5. Kalantar-Zadeh, K., Lockwood, M.B., Rhee, C.M. et al. Patient-centred approaches for the management of unpleasant symptoms in kidney disease. Nat Rev Nephrol 18, 185–198 (2022). doi: 10.1038/s41581-021-00518-z, letzter Aufruf am 19.09.2024.
  6. Kidney Care UK. Fatigue (tiredness). https://kidneycareuk.org/kidney-disease-information/living-with-kidney-disease/managing-symptoms/fatigue-tiredness/, letzter Aufruf am 26.09.2024.
  7. Sharif-Nia, H., Marôco, J., Froelicher, E.S. et al. The relationship between fatigue, pruritus, and thirst distress with quality of life among patients receiving hemodialysis: a mediator model to test concept of treatment adherence. Sci Rep 14, 9981 (2024). doi: 10.1038/s41598-024-60679-2 letzter Aufruf am 23.09.2024.
  8. Artom M, Moss-Morrus R, Caskey F, et al. Fatigue in advanced kidney disease. Kidney Int. 2014 Sep;86(3):497-505. doi: 10.1038/ki.2014.86, letzter Aufruf am 23.09.2024.
  9. Amboss. Hämoglobin. https://www.amboss.com/de/wissen/hamoglobin/, letzter Aufruf am 19.09.2024.
  10. Senewiratne N. L., Woodall A., Can, A.S. Sodium Bicarbonate. StatPearls Publishing; 2024 Jan. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK559139/, letzter Aufruf am 23.09.2024.