Von Nierenversagen oder Niereninsuffizienz sprechen Fachleute, wenn die Nieren einen Großteil ihrer Leistung nicht mehr erfüllen können. In diesem Stadium sind Patient*innen meist auf eine Dialyse oder Organspende angewiesen.1,2 Bei Nierenversagen unterscheiden Fachleute zwischen einem plötzlichen (akuten) und schleichenden (chronischen) Verlauf. Die chronische Niereninsuffizienz entsteht in der Regel als Folge einer langandauernden Erkrankung wie zum Beispiel einer chronischen Vorerkrankung der Nieren.3,4 Im Gegensatz dazu tritt akutes Nierenversagen als Folge einer plötzlichen Erkrankung oder Verletzung auf.5,6 Wir schauen uns die unterschiedlichen Ursachen für chronisches und akutes Nierenversagen genauer an und schildern die Symptome. Außerdem erklären wir, wie Mediziner*innen eine Niereninsuffizienz diagnostizieren und behandeln können.
Ursachen für Nierenversagen
Eine chronische Nierenerkrankung ist häufig die Ursache für chronisches Nierenversagen, auch chronische Niereninsuffizienz genannt.7 Zudem können Diabetes mellitus, Entzündungen in den Nierenkörperchen und angeborene Fehlbildungen der Nieren schleichend zu chronischem Nierenversagen führen. Des Weiteren begünstigen Verkalkungen der Gefäße (Arteriosklerose) und Bluthochdruck die Entstehung des chronischen Nierenversagens. Weitere mögliche Auslöser sind bestimmte Medikamente wie Antibiotika und Schmerzmittel (zum Beispiel nicht steroidale Antirheumatika), die das Nierengewebe schädigen und bei häufiger Einnahme eine Niereninsuffizienz hervorrufen.1,3,4
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Akutes Nierenversagen kann schnell lebensbedrohlich sein, wenn die Ursachen nicht erkannt und behandelt werden. Fachleute teilen die Ursachen für eine Niereninsuffizienz in drei Kategorien ein.
- Prärenales Nierenversagen: Ursachen, die prärenal, also vor den Nieren liegen. Sie führen dazu, dass die Nieren nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Dazu gehören Herzerkrankungen, schwere Verbrennungen mit Kreislaufversagen und der Verschluss von Gefäßen in der Lunge (Lungenembolie). Ein weiterer Auslöser kann ein starker Flüssigkeitsverlust aufgrund von Blutungen sowie anhaltendem Durchfall oder Erbrechen sein.
- Intrarenales Nierenversagen: Liegen die Ursachen direkt in den Nieren, also intrarenal, kommt es zu krankhaften Veränderungen in verschiedenen Teilen der Nieren. Diese können durch Entzündungen, Medikamente, Vergiftungen oder Störungen im Immunsystem ausgelöst werden.
- Postrenales Nierenversagen: Davon sprechen Mediziner*innen, wenn die Ursachen für akutes Nierenversagen postrenal und somit hinter den Nieren liegen. Tumoren, Harnsteine oder eine Vergrößerung der Prostata verhindern den Abfluss des Urins in Harnleiter oder Harnblase. Es kommt zu einem Rückstau von Urin, wodurch die Nierenfunktion gestört wird.5,6,8
Gut zu wissen: Mit ungefähr 60 Prozent sind die vor den Nieren liegende Ursachen die häufigsten Auslöser für akutes Nierenversagen.
Was steckt hinter Transplantatnierenversagen?
Auch eine transplantierte Niere kann in ihrer Funktion gestört sein und versagen. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von Infektionen mit diversen Krankheitserregern bis zu einer Abstoßungsreaktion. Im schlimmsten Fall müssen Betroffene wieder mit einer Dialysetherapie beginnen. Eventuell kann auch eine erneute Nierentransplantation sinnvoll sein.9-11
Symptome bei Nierenversagen
Menschen, die von Nierenerkrankungen betroffen sind, fragen sich, welche Symptome auftreten, wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, und wie sich Nierenversagen äußert. Grundsätzlich gilt: Die Symptome sind bei akutem und chronischen Nierenversagen ähnlich. Zu Beginn eines chronischen Nierenversagens sind jedoch oftmals noch keine Anzeichen sichtbar. Erste Symptome können Wassereinlagerungen, Bluthochdruck sowie das vermehrte Ausscheiden von hellem Harn sein.4 In späteren Stadien treten bei chronischem und akutem Nierenversagen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopf-, Muskel- und Knochenschmerzen auf, weil der Körper nach und nach mit Harn vergiftet wird.1,2,4,5 Fachleute sprechen von einer Urämie.
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Außerdem können bräunlich-gelb verfärbte Haut, Juckreiz, Muskelkrämpfe sowie ein nach Urin riechender Atem Anzeichen für Urämie sein.5,7 Betroffene bemerken darüber hinaus eine geringere körperliche Belastbarkeit und Konzentrations- und Gedächtnisstörungen.1,4 Weitere Hinweise können Veränderungen in der Urinmenge oder -farbe sowie schaumiger Urin sein.4,7
Diagnostik bei Nierenversagen
Besteht aufgrund typischer Symptome der Verdacht auf eine Niereninsuffizienz, gehen Mediziner*innen möglichen Ursachen nach. Sie erfragen zum Beispiel, welche Vorerkrankungen bestehen und welche Medikamente Patient*innen einnehmen. Darauf folgt in der Regel eine Laboruntersuchung. Mediziner*innen überprüfen unter anderem, ob die Nierenfunktion abgenommen hat. Zusätzlich führen Ärzt*innen eine Ultraschalluntersuchung durch, um den Zustand der Nieren zu beurteilen. In einigen Fällen kann auch eine Nierenbiopsie notwendig sein, bei der Fachleute eine kleine Gewebeprobe entnehmen.4,6
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Folgen von Niereninsuffizienz
Ein Versagen der Nieren kann je nach den Ursachen sehr unterschiedliche Folgen haben. Dazu gehören ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, Blutarmut (Anämie), Übersäuerung des Blutes (metabolische Azidose) sowie Störungen im Mineral- und Knochenhaushalt.2 Bei akutem Nierenversagen erholen sich Patient*innen häufig vollständig, wenn zum Beispiel ein hoher Blutverlust und damit auch Flüssigkeitsverlust nach einem Unfall schnell behandelt wird. Etwa 15 Prozent der von akutem Nierenversagen Betroffenen benötigen auf Dauer jedoch eine Dialysebehandlung. Bei ihnen erreicht die Niere nicht mehr ihre volle Funktionsfähigkeit. Das Alter der Patient*innen und die Dauer der Behandlung beeinflussen ebenfalls, wie gut sich die Nieren nach einem akuten Nierenversagen erholen.5
Versagen die Nieren aufgrund einer chronischen Erkrankung, gilt es, die Erkrankung auszubremsen. Ziel ist es, die verbleibende Nierenfunktion so lange wie möglich zu erhalten, etwa durch Medikamente und eine Ernährungsumstellung, um die Folgen bestmöglich abzuwenden oder hinauszuzögern.4,7
Jede Person mit Nierenversagen hat ihre eigene Geschichte. Daher sollte die Behandlung möglichst individuell erfolgen.
Behandlungsmöglichkeiten bei Nierenversagen
Bei chronischer Niereninsuffizienz ist es wichtig, die zugrundeliegende Erkrankung wie etwa Diabetes oder eine seltene Nierenerkrankung so gut wie möglich zu therapieren.4 Denn: Schreitet die Grunderkrankung voran, nimmt die Nierenfunktion immer weiter ab. Auch bei akutem Nierenversagen steht die Behandlung der Ursachen im Vordergrund. Sind zum Beispiel Harnsteine der Grund für die Niereninsuffizienz, werden diese entfernt. Wenn das Nierenversagen die Folge einer Medikamenteneinnahme ist, passen Ärzt*innen die Behandlungsstrategie an.5,6 Sind die Nieren jedoch schon zu stark geschwächt, behandeln Fachleute Betroffene mithilfe einer Blutwäsche (Dialyse).
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Dazu stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Bei der Hämodialyse wird das Blut aus dem Körper herausgeleitet und über eine Art künstliche Niere gefiltert. Die Bauchfelldialyse nutzt das körpereigene Bauchfell als Filter. In die Bauchhöhle wird dann eine Lösung eingeleitet, die die Giftstoffe aus dem Körper aufnimmt. Eine weitere Behandlungsstrategie ist die Transplantation einer gesunden Spenderniere.1,4 Welche Behandlungsstrategie sich für die Betroffenen am besten eignet, ist sehr individuell und erfolgt in enger Abstimmung mit dem Behandlungsteam.
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Quellen
- National Kidney Foundation. Kidney Failure. https://www.kidney.org/kidney-topics/kidney-failure, letzter Aufruf am 26.09.2024.
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases. What is Kidney Failure? https://www.niddk.nih.gov/health-information/kidney-disease/kidney-failure/what-is-kidney-failure, letzter Aufruf am 24.09.2024.
- Internisten im Netz. Nierenversagen. https://www.internisten-im-netz.de/fachgebiete/niere-harnwege/wichtige-erkrankungen/nierenversagen.html, letzter Aufruf am 24.09.2024.
- gesundheit.gv.at. Chronisches Nierenversagen. https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/nieren-harnblase/chronisches-nierenversagen.html , letzter Aufruf am 24.09.2024.
- gesund.bund.de. Akutes Nierenversagen. https://gesund.bund.de/akutes-nierenversagen, letzter Aufruf am 26.09.2024.
- gesundheit.gv.at. Akutes Nierenversagen. https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/nieren-harnblase/akutes-nierenversagen.html, letzter Aufruf am 24.09.2024.
- Deutsche Nierenstiftung. Nierenversagen: Prävention und Früherkennung. https://www.nierenstiftung.de/fuer-betroffene/niere-a-bis-z/praevention-und-frueherkennung/, letzter Aufruf am 26.09.2024.
- Merker L. Akutes Nierenversagen. Diabetologie 18, 732–737 (2022). doi: 10.1007/s11428-022-00939-9, letzter Aufruf am 24.09.2024.
- Deutsches Register Klinischer Studien. Post-NTPL Organdysfunktion – Nicht-invasive Diagnostik mit Hilfe eines plasmatischen Apoptosemarkers. https://drks.de/search/de/trial/DRKS00003483, letzter Aufruf am 24.09.2024.
- Sellarés J, de Freitas DG, Mengel M. Understanding the causes of kidney transplant failure: the dominant role of antibody-mediated rejection and nonadherence. Comparative Study Am J Transplant. 2012 Feb;12(2):388-99. doi: 10.1111/j.1600-6143.2011.03840.x, letzter Aufruf am, 24.09.2024.
- American Kidney Fund. Kidney rejection after transplant. https://www.kidneyfund.org/kidney-donation-and-transplant/life-after-transplant-rejection-prevention-and-healthy-tips/kidney-rejection-after-transplant, letzter Aufruf am 24.09.2024.