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Die Nieren spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation des Blutdrucks. Sind sie geschwächt, kann ein Bluthochdruck (Hypertonie) die Folge sein.1 Chronische Nierenerkrankungen sind sogar die häufigste Ursache für sekundären Bluthochdruck, also den durch andere Grunderkrankungen ausgelösten Bluthochdruck.2,3 Etwa 80 bis 85 Prozent der Patient*innen mit chronischen Nierenerkrankungen leben mit einer Hypertonie.4 Doch was genau steckt dahinter? Wir nehmen die Zusammenhänge zwischen Nieren und Bluthochdruck in den Blick, erläutern die Gefahren und erklären auch, was sich dagegen unternehmen lässt. 

Bluthochdruck und kranke Nieren: Die Zusammenhänge

Die Entstehung von Bluthochdruck bei Patient*innen mit chronischen Nierenerkrankungen ist komplex und wird durch mehrere Faktoren begünstigt.4 Nicht alle davon sind gänzlich verstanden. Was Wissenschaftler*innen bereits wissen: Nimmt die Nierenfunktion ab (auch Niereninsuffizienz genannt), bildet das Organ vermehrt blutdrucksteigernde Stoffe und scheidet zu wenig Wasser aus dem Körper aus – der Blutdruck steigt. Ein weiteres Problem, das zum hohen Blutdruck bei chronischen Nierenerkrankungen beiträgt, sind Gefäßveränderungen.4 Der Grund: Die Blutgefäße von Betroffenen sind zum Beispiel ständig zahlreichen Hormonen und urämischen Toxinen (schädlichen Abfallstoffen) ausgesetzt. In der Folge kann es zu Gefäßveränderungen kommen, was wiederum zu einem Anstieg des Blutdrucks führt.Das hat gefährliche Konsequenzen. Denn: Hohe Blutdruckwerte lassen nicht nur das Risiko von Herz-Kreislauf-Problemen wie Herzinfarkt und Schlaganfall ansteigen.5 Eine Hypertonie setzt auch den Nieren zu und kann eine Nierenerkrankung verschlimmern.6

Wichtig zu wissen: Bluthochdruck ist nicht nur eine Folge von chronischen Nierenerkrankungen, sondern ebenso ein möglicher Auslöser solcher Krankheiten.6 Der hohe Druck kann im Laufe der Zeit die Blutgefäße im gesamten Körper beschädigen und daraufhin die Blutversorgung der Nieren vermindern.6 Zudem kann Bluthochdruck den kleinen Filtereinheiten in der Niere zusetzen, sodass die Nieren ihrer Filterfunktion nicht mehr gut nachgehen können.6 In der Folge sammeln sich Abfallstoffe und übermäßige Flüssigkeit im Blut an, wodurch der Blutdruck weiter steigt.6 Es entsteht ein Teufelskreis, der bis zum Nierenversagen führen kann.7

Schematische Darstellung einer Niere. Darüber eine sternförmige Struktur.

Bluthochdruck bei Nierenerkrankungen: Symptome erkennen 

Die meisten Menschen mit hohem Blutdruck haben keine Symptome. Aus diesem Grund wird er oft als „stiller Killer“ bezeichnet. Bei gefährlich hohen Blutdruckwerten kommt es mitunter zu Kopfschmerzen, verschwommenem Sehen oder Nasenbluten.8 Der einzige Weg, um einen Bluthochdruck festzustellen, ist eine Blutdruckmessung mithilfe eines Blutdruckmessgeräts. Patient*innen mit Nierenerkrankungen können ein solches Gerät zu Hause verwenden und so den Blutdruck im Blick behalten. Ihr*e Ärzt*in kann Ihnen bei Bedarf ein Blutdruckmessgerät verschreiben. Die Kosten werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen.9 Zusätzlich messen die behandelnden Ärzt*innen den Blutdruck von Nierenpatient*innen regelmäßig.

So messen Sie Ihren Blutdruck richtig

Wenn Sie Ihren Blutdruck zu Hause messen, ist es wichtig, dass Sie korrekt vorgehen, um zuverlässige Ergebnisse zu erhalten. Auf koffeinhaltige Getränke sollten Sie vor der Messung verzichten. Wenn Sie Medikamente einnehmen, sollten Sie Ihren Blutdruck vor der Einnahme messen.10

  • Setzen Sie sich vor der Messung fünf Minuten auf einen Stuhl und legen den Arm auf den Tisch, um zur Ruhe zu kommen.
  • Stellen Sie beide Füße flach auf den Boden, ohne die Beine zu überschlagen, damit sich Ihre Muskulatur vollständig entspannen kann.
  • Lassen Sie sich vorab von Ihrem Behandlungsteam zeigen, wie Sie das Blutdruckmessgerät korrekt anlegen und bedienen.
  • Während der Messung sollten Sie ruhig sein und keine Musik hören oder Fernsehen schauen.
  • Messen Sie dreimal hintereinander, jeweils mit einer halben Minute Pause dazwischen. Nur die letzten beiden Messungen werden dokumentiert.

Tipp: Es gibt spezielle Apps, in denen Sie Ihre Messergebnisse dokumentieren können, um Ihre Blutdruckwerte im Blick zu behalten.

Schematische Darstellung eines Bluttropfens mit einer Linie, die den Herzschlag symbolisieren soll.

Exkurs: Blutdruckwerte verstehen

Vereinfacht gesagt beschreibt der Blutdruck den Druck, mit dem das Blut gegen die Blutgefäßwände drückt, während es vom Herz durch den Körper gepumpt wird. Der Blutdruck wird in der Einheit Millimeter Quecksilbersäule angegeben, abgekürzt mmHg. Bei der Blutdruckmessung ergeben sich zwei Werte, die meist durch einen Schrägstrich getrennt sind – etwa 130/80 mmHg. Die erste Zahl wird als systolischer Druck bezeichnet und gibt den Druck an, der entsteht, wenn das Herz schlägt und das Blut durch die Blutgefäße drückt. An zweiter Stelle findet sich die Zahl, die den diastolischen Druck angibt. Er entsteht, wenn sich das Herz zwischen den Schlägen entspannt. Mediziner*innen sprechen normalerweise von Bluthochdruck, wenn mehrere Blutdruckmessungen einen Wert über 140/90 mmHg anzeigen. Bei der Bewertung des Blutdrucks müssen jedoch stets auch Faktoren wie Alter und Geschlecht berücksichtigt werden.1

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Stadtkarte mit roter Markierung.
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Zielwerte im Blick: Welchen Blutdruck braucht die Niere?

Die optimalen Blutdruckziele für Patient*innen mit Bluthochdruck und chronischer Nierenerkrankung sind immer wieder Gegenstand von Diskussion, die Empfehlungen dazu variieren mitunter.11 Die Leitlinien der Europäischen Bluthochdruckgesellschaft (ESH) etwa raten, einen systolischen Wert unter 130 mmHg und einen diastolischen Wert unter 80 mmHg anzustreben.12 Die Debatte um das optimale Blutdruckziel wurde im Jahr 2021 durch eine Veröffentlichung der Organisation Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) befeuert. Ihre Empfehlung: ein systolischer Blutdruckzielwert unter 120 mmHg.13 Bis heute steht die Empfehlung aus mehreren Gründen in der Kritik. 

Modelle einer Niere liegen neben einem Stethoskop und einer Blutdruckmanschette.
iStock-930488756_Shidlovski

Ein Kritikpunkt: Einige Wissenschaftler*innen halten die Umsetzung für wenig praktikabel und weisen darauf hin, dass weniger als 30 Prozent der Patient*innen mit Bluthochdruck den Zielwert von unter 130/80 mmHg erreichen.14 Klar ist jedoch: Ein deutlich zu hoher Blutdruck muss behandelt werden, um die Nieren zu schützen. Grundsätzlich gilt, dass Ärzt*innen Nierenkranken mit Bluthochdruck vor der Therapie jeweils individuell erklären, welcher Zielwert sinnvoll ist. Mehr über die Behandlung erfahren Sie im Folgenden.

Schwankender Blutdruck: Ein Risikofaktor für das Fortschreiten chronischer Nierenerkrankungen?


Neben der Verbindung zwischen Nierenerkrankungen und Bluthochdruck beschäftigt Wissenschaftler*innen eine weitere Größe und ihr Zusammenhang mit den Nieren: die sogenannte Blutdruckvariabilität (BPV). Sie beschreibt die Schwankungen der Blutdruckwerte zwischen verschiedenen Messungen über ein bestimmtes Zeitintervall und wird durch verschiedene Aspekte wie Umweltreize, aber auch genetische Faktoren beeinflusst.15-18 Man unterscheidet zwischen sehr kurzfristigen Blutdruckschwankungen (von Schlag zu Schlag), kurzfristigen Blutdruckschwankungen (innerhalb eines Zeitraums von 24 Stunden) und langfristigen Blutdruckschwankungen (von Tag zu Tag oder von Arztbesuch zu Arztbesuch).19 Untersuchungen zeigen: Eine erhöhte Langzeit- und Kurzzeit-BPV sind ein Risikofaktor für das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung.19 Es sind jedoch weitere Untersuchungen nötig, um dieses Ergebnis zu bestätigen und zu ermitteln, inwieweit der Wert künftig bei der Diagnose und Therapie von Nierenerkrankungen Beachtung finden sollte.
 

Schematische Darstellung der Nieren.

Bluthochdruck bei Nierenproblemen: Die Behandlungsoptionen

Haben Mediziner*innen bei Nierenpatient*innen einen hohen Blutdruck diagnostiziert, erstellen sie einen Behandlungsplan. Er zielt darauf ab, den Blutdruck zu senken, um eine Verschlimmerung der Nierenerkrankung zu verhindern und das Risiko einer Herzerkrankung zu verringern.20 Die Therapie der Hypertonie bei chronischen Nierenerkrankungen liegt in der Regel in den Händen von Nephrolog*innen und basiert unter anderem auch auf Lebensstilanpassungen. Betroffene sollten sich zum Beispiel natriumarm und damit salzarm ernähren. Ausreichend Bewegung sowie ein gesundes Körpergewicht helfen ebenso, den Blutdruck zu senken.12,21 Außerdem können verschiedene Medikamente wie Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker zum Einsatz kommen.22 Sie haben eine blutdrucksenkende Wirkung und können kranke Nieren auch vor weiteren Schäden schützen – insbesondere bei Patient*innen, deren Urin Eiweiß (Proteinurie).5   

Ein gut eingestellter Blutdruck spielt bei Menschen mit Nierenerkrankungen eine entscheidende Rolle: Ist der Blutdruck zu hoch, setzt das den ohnehin geschädigten Nieren noch weiter zu. Mit der Behandlung des Bluthochdrucks schützen Sie also auch Ihre Nieren.

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Eine Hand, die gelbe Tabletten hält.
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Person mit geschwollenen Füßen umfasst linken Unterschenkel.
iStock-443971844_JulieAlexK

Das nephrotische Syndrom

Das nephrotische Syndrom umfasst viele Symptome, die meist als Folge von Nierenerkrankungen auftreten. 

Quellen 

  1. Deutsche Nierenstiftung. Bluthochdruck & Niere. https://www.nierenstiftung.de/fuer-betroffene/niere-a-bis-z/bluthochdruck-und-niere/, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  2. Campese VM, Mitra N, Sandee D. Hypertension in renal parenchymal disease: why is it so resistant to treatment? Kidney Int. 2006 Mar;69(6):967-73. doi: 10.1038/sj.ki.5000177, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  3. Masuda T,Nagata D. Recent advances in the management of secondary hypertension: chronic kidney disease. Hypertens Res. 2020 Sep;43(9):869-875. doi: 10.1038/s41440-020-0491-4, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  4. Ameer OZ. Hypertension in chronic kidney disease: What lies behind the scene. Front Pharmacol. 2022; 13: 949260. doi: 10.3389/fphar.2022.949260, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  5. Kidney Research UK. Blood pressure and kidney disease. https://www.kidneyresearchuk.org/conditions-symptoms/blood-pressure/, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  6. National Kidney Foundation. Bluthochdruck und chronische Nierenerkrankung. https://www.kidney.org/sites/default/files/11-10-1402_DAI_PatBro_HBPandCKD_1-4_Pharmanet_German_Apr08_LR.pdf, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  7. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases. High Blood Pressure & Kidney Disease. https://www.niddk.nih.gov/health-information/kidney-disease/high-blood-pressure, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  8. American Kidney Fund. High blood pressure. https://www.kidneyfund.org/all-about-kidneys/risk-factors/high-blood-pressure, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  9. Deutsche Apotheker Zeitschrift. Blutdruckmessgeräte auf Rezept – was ist zu beachten? https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2021/05/17/blutdruckmessgeraete-auf-rezept-was-ist-zu-beachten, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  10. Deutsche Herzstiftung. Blutdruck messen: So bekommen Sie verlässliche Werte. https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/bluthochdruck/blutdruck-messen, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  11. Georgianos PI, Papachristou E, Liakopoulos V. Which blood pressure threshold indicates a therapeutic benefit for patients with chronic kidney disease? Hypertens Res. 2023 Apr;46(4):890-892. doi: 10.1038/s41440-023-01177-2, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  12. Mancia G, Kreutz R, Brunström M, et al. 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension The Task Force for the management of arterial hypertension of the European Society of Hypertension: Endorsed by the International Society of Hypertension (ISH) and the European Renal Association (ERA). J Hypertens. 2023 Dec 1;41(12):1874-2071. doi: 10.1097/HJH.0000000000003480, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  13. Kidney Disease: Improving Global Outcomes Blood Pressure Work G. KDIGO 2021 clinical practice guideline for the management of blood pressure in chronic kidney disease. Kidney Int. 2021;99:S1–S87. doi: 10.1016/j.kint.2020.11.003, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  14. Burnier M, Damianaki A. Hypertension as Cardiovascular Risk Factor in Chronic Kidney Disease. Circ Res. 2023 Apr 14;132(8):1050-1063. doi: 10.1161/CIRCRESAHA.122.321762, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  15. Pengo MF, Ioratti D, Bisogni V, et al. In Patients with Chronic Kidney Disease Short Term Blood Pressure Variability is Associated with the Presence and Severity of Sleep Disorders. Kidney Blood Press Res. 2017;42(5):804-815. doi: 10.1159/000484357, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  16. Parati G, OchoaJE, Bilo G. Blood pressure variability, cardiovascular risk, and risk for renal disease progression. Curr Hypertens Rep. 2012 Oct;14(5):421-31. doi: 10.1007/s11906-012-0290-7, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  17. Mancia G, Parati G, Pomudossi G, et al. Arterial baroreflexes and blood pressure and heart rate variabilities in humans. Hypertension. 1986 Feb;8(2):147-53. doi: 10.1161/01.hyp.8.2.147, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  18. Krzych LJ, Bochenek A. Blood pressure variability: epidemiological and clinical issues. Cardiol J. 2013;20(2):112-20. doi: 10.5603/CJ.2013.0022, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  19. Yang MD, Li J, Wei W, et al. Blood Pressure Variability and the Progression of Chronic Kidney Disease: a Systematic Review and Meta-Analysis. J Gen Intern Med. 2023 Apr; 38(5): 1272–1281. doi: 10.1007/s11606-022-08001-6, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  20. Kidney Care UK. Focus on high blood pressure and kidney disease. https://kidneycareuk.org/kidney-disease-information/about-kidney-health/understanding-risk-factors-of-kidney-disease/focus-on-high-blood-pressure-and-kidney-disease/, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  21. Vogt L, Waanders F, Boomsma F, et al. Effects of dietary sodium and hydrochlorothiazide on the antiproteinuric efficacy of losartan. J Am Soc Nephrol. 2008 May;19(5):999-1007. doi: 10.1681/ASN.2007060693, letzter Aufruf am 12.09.2024.
  22. Greite R, Schmidt-Ott K. Was ist gesichert in der Therapie der chronischen Nierenerkrankung? https://www.springermedizin.de/chronische-nierenerkrankung/finerenon/was-ist-gesichert-in-der-therapie-der-chronischen-nierenerkranku/23666904, letzter Aufruf am 12.09.2024.