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Können die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, besteht die Gefahr, dass sich verschiedene schädliche Stoffe im Blut ansammeln und den gesamten Organismus belasten. Mediziner*innen sprechen dann von einer sogenannten Urämie. Erfahren Sie, was genau sich dahinter verbirgt, welche Symptome eine Urämie hervorrufen kann und wie Mediziner*innen sie diagnostizieren und behandeln können. 

Definition: Was ist eine Urämie? 

Normalerweise fungieren die Nieren im Körper als Filter, die Abfallstoffe und potenziell gefährliche Substanzen, die mit dem Blut durch den Körper strömen, über den Urin ausscheiden. Wenn die Nieren nicht gut funktionieren, können sie dieser Ausscheidungsfunktion nicht mehr ausreichend nachgehen. Vor allem bei Nierenerkrankungen im Endstadium sammeln sich in der Folge bestimmte Abbauprodukte des Stoffwechsels wie Harnstoff und Harnsäure (sogenannte harnpflichtige Substanzen) im Blut.1,2 Zu den wichtigsten Substanzen, die sich bei einer Urämie im Blut anhäufen (Urämietoxine) zählen aber andere, unter Lai*innen weniger bekannte Stoffe wie 1-Methyladenosin, Cytidin, Fructose-Lysin und Endothelin.3 

Modelle einer Niere liegen neben einem Stethoskop und einer Blutdruckmanschette

Expert*innen sprechen auch von einer Harnvergiftung mit Urämietoxinen.3,4 Vereinfacht gesagt bedeutet eine Urämie so viel wie „Urin im Blut“.5 Da eine Urämie meist von einer Reihe an Symptomen und Anzeichen begleitet wird, die viele Organe und Systeme betreffen, ist zudem oft vom urämischen Syndrom die Rede.2

Symptome: Welche Zeichen zeigen sich bei einer Urämie?

Eine Urämie wirkt sich auf den gesamten Organismus aus.6Die ersten Anzeichen und Symptome sind oft unspezifisch und entwickeln sich in der Regel erst allmählich.5,7 Zu den typischen Symptomen einer Urämie zählen:3,5,8,9,10

  • Übelkeit, Erbrechen und Gewichtsverlust
  • Müdigkeit und Kopfschmerzen
  • unruhige Beine und Muskelkrämpfe
  • Pruritus (Juckreiz), eine verzögerte Wundheilung und hellbraune Flecken auf der Haut („Café-au-Lait-Flecken“)
  • Ödeme (Wassereinlagerungen) und Bluthochdruck
  • Vergesslichkeit und Verwirrung 
  • Schwellungen im Gesicht
  • bei Kindern Wachstumsstörungen
  • urinartiger Geruch von Haut, Atem und Schweiß

Die Symptomatik der Urämie beeinträchtigt die Lebensqualität der Patient*innen meist erheblich.5 Bleibt eine Urämie unbehandelt, kann sie im späten Stadium zu Bewusstlosigkeit und einem urämischen Koma und schlussendlich zum Tod führen.11 Wie bei allen Symptomen einer Nierenschwäche gilt für Betroffene: Sollten sich Ihre Symptome verschlechtern oder neue hinzukommen, kontaktieren Sie bitte Ihr Behandlungsteam.12

 

Gut zu wissen: Die Symptome und Anzeichen einer Urämie sind laut Expert*innen nicht auf ein einzelnes Abbauprodukt zurückzuführen. Stattdessen trägt wahrscheinlich eine Kombination mehrerer Stoffe im Blut zu den verschiedenen Auswirkungen der Urämie bei.13,14,15,16 

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Auslöser: Was sind mögliche Ursachen einer Urämie?

Eine Urämie entwickelt sich am häufigsten bei chronischen Nierenerkrankungen und Nierenerkrankungen im Endstadium, wenn die Niere zunehmend ihre Funktion einbüßt und es zum Nierenversagen kommt.5Mögliche Ursachen der Urämie sind:5

Darüber hinaus können in seltenen Fällen noch Faktoren wie Bluthochdruck und Blasenentzündungen eine Urämie zur Folge haben.5 Wichtig: Auch akutes Nierenversagen, etwa infolge von Abflussstörungen der Harnwege oder aufgrund einer Sepsis (Blutvergiftung), kann mitunter zu einer Urämie führen.5 

Wie schnell führt eine Urämie zum Tod?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich gilt: Die Urämie ist eine ernste Bedrohung, die die Lebenserwartung verkürzt und zum Tod führen kann, wenn sie unbehandelt bleibt.5 Mit einer Dialyse oder Transplantation verbessert sich die Prognose jedoch erheblich.5 Die Dialyse kann Stoffwechselstörungen mildern und die Überlebenschancen verbessern – jedoch ist die Langzeitprognose ohne erfolgreiche Nierentransplantation schlecht, zeigen Untersuchungen.17,18

Schematische Darstellung der Nieren.

Diagnose: Wie Ärzt*innen eine Urämie feststellen?

Um eine Urämie zu diagnostizieren, befragen Mediziner*innen ihre Patient*innen unter anderem zu typischen Urämie-Symptomen sowie ihrer Krankengeschichte, die eine Urämie begünstigen könnte. Darauf folgen in der Regel eine körperliche Untersuchung und die Bestimmung verschiedener Laborwerte im Blut. Von Interesse sind etwa die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) und die Menge an Harnstoff. Eine abnorm niedrige eGFR und eine unnormal hohe Harnstoffmenge im Blut können auf eine Urämie hinweisen. Wichtig: Neben Harnstoff gehören andere Stoffe wie Parathormon, Homocystein und Harnsäure zu den mutmaßlichen urämischen Toxinen, also zu den Substanzen, die sich infolge einer Urämie im Blut ansammeln können.5 Mediziner*innen bestimmten bei einem Urämie-Verdacht daher mitunter die Konzentrationen dieser Stoffe im Blut. Bei Bedarf sind weitere Tests wie eine Urinanalyse nötig, die bei der Identifizierung möglicher Ursachen für urämische Symptome helfen.5

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Stadtkarte mit roter Markierung.
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Behandlung: Was hilft bei einer Urämie?

Zu den bewährten Behandlungsmethoden einer Urämie zählen die Dialyse und Nierentransplantation.19 Zur Erklärung: Bei der Dialyse werden Abfallstoffe nicht durch die Nieren, sondern künstlich aus dem Blutkreislauf entfernt. Dafür stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Eines davon ist die Hämodialyse. Dabei wird das Blut außerhalb des Körpers mithilfe eines Dialysegeräts gereinigt. Bei der Peritonealdialyse hingegen wird das Bauchfell (Peritoneum) verwendet, um das Blut im Körper zu filtern. Gegenüber der Dialyse gilt eine Nierentransplantation als die wirksamste Therapieoption bei einer Urämie.5 Dabei wird die kranke Niere durch eine gesunde ersetzt, die ihre Filterfunktion voll erfüllen kann.

Person in blauem Kasack steht vor einer Hämodialyse-Maschine.
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Darüber hinaus raten Mediziner*innen gegebenenfalls zu unterstützenden Maßnahmen, um die Nierenfunktion zu verbessern und die Nieren zu entlasten. Sie empfehlen Betroffenen zum Beispiel, weniger Eiweiß zu verzehren, weil durch eine geringere Proteinzufuhr auch weniger Harnstoff entsteht. Zudem kann eine reduzierte Flüssigkeitsaufnahme dabei helfen, die Nieren zu entlasten. Wichtig: Derartige Ernährungsumstellungen sollten Patient*innen niemals auf eigene Faust umsetzen, sondern nur in Absprache mit Ärzt*innen oder Ernährungsberater*innen.5

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Quellen

  1. gesundheitsinformation.de. Chronische Nierenkrankheit (Niereninsuffizienz). https://www.gesundheitsinformation.de/chronische-nierenkrankheit-niereninsuffizienz.html, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  2. Glassock RJ. Uremic toxins: an integrated overview of classification and pathobiology. J Ren Nutr. 2008 Jan;18(1):2-6. doi: 10.1053/j.jrn.2007.10.003, letzter Aufruf am 23.08.2024.
  3. Siegenthaler W, et al. Niere und ableitende Harnwege. 2006. doi: 10.1055/b-0036-136925, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  4. pschyrembel.de. Urämie. https://www.pschyrembel.de/Ur%C3%A4mie/K0NBN, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  5. Zemaitis MR, Fors LA, Katta S, et al. Uremia. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK441859/, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  6. Braun L. Komplikationen und Todesursachen der Urämie und ihre therapeutischen Konsequenzen. 1970. doi: 10.1007/978-3-642-47045-5_30, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  7. Chmielewski M, Heimbürger O, Stenvinkel P, et al. Uremic Toxicity. Nutritional Management of Renal Disease (Third Edition). 2013, 49-77. doi: 10.1016/B978-0-12-391934-2.00004-7, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  8. Altmeyers Enzyklopädie. Café au lait Colorit. https://www.altmeyers.org/de/innere-medizin/cafe-au-lait-colorit-111033, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  9. Bonzel KE. Die Bedeutung des Wachstumshormons in der Behandlung des Kleinwuchses – Chronische Niereninsuffizienz bei Kindern. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-2007-985064, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  10. pschyrembel.de. Foetor uraemicus. https://www.pschyrembel.de/Foetor%20uraemicus/K080J, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  11. gesund.bund.de. Akutes Nierenversagen. https://gesund.bund.de/akutes-nierenversagen#symptome, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  12. nhs.uk. Living with - Chronic kidney disease. https://www.nhs.uk/conditions/kidney-disease/living-with/, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  13. Tsai H. Atypical Hemolytic Uremic Syndrome: Beyond Hemolysis and Uremia. Am J Med. 2019 Feb;132(2):161-167. doi: 10.1016/j.amjmed.2018.08.011, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  14. Wang AYM, Kalantar-Zadeh K, Fouque D, et al. Precision Medicine for Nutritional Management in End-Stage Kidney Disease and Transition to Dialysis. Semin Nephrol. 2018 Jul;38(4):383-396. doi: 10.1016/j.semnephrol.2018.05.008, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  15. Mair RD, Sirich TL, Meyer TW. Uremic Toxin Clearance and Cardiovascular Toxicities. Toxins (Basel). 2018 Jun 2;10(6):226. doi: 10.3390/toxins10060226, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  16. Duranton F, Cohen G, De Smet R, et al. Normal and pathologic concentrations of uremic toxins. J Am Soc Nephrol. 2012 Jul;23(7):1258-70. doi: 10.1681/ASN.2011121175, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  17. Almeras C, Argilés A. The general picture of uremia. Semin Dial. 2009 Jul-Aug;22(4):329-33. doi: 10.1111/j.1525-139X.2009.00575.x, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  18. Murali N, El Hayek SM. Abdominal Pain Mimics. Emerg Med Clin North Am. 2021 Nov;39(4):839-850. doi: 10.1016/j.emc.2021.07.003, letzter Aufruf am 28.08.2024.
  19. Clementi A, Virzi GM. Novel Clinical Updates in Uremia. J Clin Med. 2022 Jul; 11(13): 3791. doi: 10.3390/jcm11133791, letzter Aufruf am 28.08.2024.