Sind die Nieren krank und ist dadurch ihre Filterfunktion beeinträchtigt, kann es zu einem sogenannten nephrotischen Syndrom kommen.1-6 Doch was ist das nephrotische Syndrom überhaupt? Gemäß Definition ist das Syndrom keine eigenständige Erkrankung, sondern umfasst vielmehr verschiedene Symptome, die infolge der geschwächten Nieren auftreten können. Dazu zählen zum Beispiel Wassereinlagerungen, erhöhter Blutdruck und Appetitverlust.1,5,6 Wir nehmen Symptome und Ursachen unter die Lupe und erläutern, wie sich das Syndrom diagnostizieren und behandeln lässt.
Mögliche Symptome des nephrotischen Syndroms
Ursächlich für die Symptome des nephrotischen Syndroms ist immer eine beeinträchtigte Filterfunktion der Nieren.1-6 Das nephrotische Syndrom kann als direkte Folge von Nierenerkrankungen auftreten. Aber auch andere Krankheiten können die Nierenfunktion schädigen und dadurch das nephrotische Syndrom verursachen. Mehr dazu finden Sie im nächsten Abschnitt unter Ursachen. Zusätzlich zu den Symptomen der Grunderkrankung treten dann noch weitere Beschwerden auf.1-3,5 Dazu gehören Wassereinlagerungen, auch Ödeme genannt. Das Wasser lagert sich vor allem in den Extremitäten – etwa an den Fußknöcheln – und im Augenbereich an.1-6 Typisch für das nephrotische Syndrom ist auch die sogenannte Proteinurie, ein vermehrter Verlust von Eiweißen über den Urin, was sich häufig in schaumigem Urin zeigt.1-3,6
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Beim nephrotischen Syndrom ist eine Ausscheidung von mehr als 3,5 Gramm Eiweiß innerhalb von 24 Stunden charakteristisch.7 Wird vermehrt Eiweiß ausgeschieden, sinkt auch die Eiweißkonzentration im Blut. Daher geht die Proteinurie mit einem niedrigen Eiweißspiegel im Blut einher.4 Eine niedrige Konzentration des Eiweißes Albumin im Blut wird Hypoalbuminämie genannt und begünstigt die Entstehung von Ödemen.4-6 Patient*innen berichten außerdem häufig von Müdigkeit und Appetitverlust.1,5,6 Ebenso kann das nephrotische Syndrom mit erhöhtem Blutdruck und hohen Blutfettwerten (Hyperlipidämie) einhergehen.1-6 Blutgerinnsel, die sich in Gefäßen festsetzen – sogenannte Thrombosen – sind weitere mögliche Komplikationen aufgrund des nephrotischen Syndroms. Diese Thrombosen können Gefäße verschließen, was je nach Gefäß, zu Schädigungen von Organen führen kann.2,4-6 Des Weiteren steigt aufgrund des Syndroms das Infektionsrisiko. Denn: Aufgrund der eingeschränkten Filterfunktion der Nieren können Stoffe verloren gehen, die wichtig für die Funktion des Immunsystems sind.1,6
Mögliche Ursachen des nephrotischen Syndroms
Die Ursachen für das nephrotische Syndroms unterscheiden sich zwischen Kindern und Erwachsenen. Eine Form des nephrotischen Syndroms kann bei Neugeborenen und Kindern auftreten und ist teilweise auf genetische Ursachen zurückzuführen.4 Bei den meisten Kindern und Jugendlichen mit nephrotischem Syndrom steckt jedoch eine sogenannte Minimal-Change-Glomerulonephritis (MCGN) dahinter. Diese Erkrankung führt zu einer Schädigung der Glomeruli. Ein Glomerulus ist ein Knäuel aus Blutgefäßen im Inneren der Niere, der das Blut filtert. In den meisten Fällen tritt die Minimal-Change-Glomerulonephritis ohne erkennbare Ursachen auf. Bei Erwachsenen entsteht das nephrotische Syndrom meist als Folge anderer bereits vorhandener Erkrankungen wie etwa Diabetes. Diese Erkrankungen führen dazu, dass die Filterfunktion der Nieren gestört ist und Stoffe im Körper aus dem Gleichgewicht geraten.1-9
Zu den häufigsten Auslösern des nephrotischen Syndroms bei Erwachsenen zählen bereits vorhandene Nierenerkrankungen, die die Funktion der Glomeruli beeinträchtigen. Dazu gehören unter anderem die membranöse Glomerulonephritis, die fokal segmentale Glomerulosklerose, die Minimal-Change-Glomerulonephritis und auch die seltene C3-Glomerulopathie.6,10 Zudem können Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes, bei denen sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet, das Syndrom hervorrufen.1-3,5 Weitere mögliche Ursachen sind Diabetes mellitus und verschiedenen Infektionskrankheiten wie Hepatitis B und C, HIV und Malaria.1-3,5 Außerdem kann die Einnahme von nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) und Antirheumatika das Risiko für die Entstehung des nephrotisches Syndroms erhöhen.5,6
Das nephrotische Syndrom kann viele Ursachen haben. Diese ausfindig zu machen und zu behandeln hat oberste Priorität.
Diagnostik beim nephrotischen Syndrom
Um dem nephrotischen Syndrom auf die Spur zu kommen, messen Mediziner*innen Blut- und Urinwerte. Ein Hinweis auf das nephrotische Syndrom ist ein hoher Verlust von Eiweiß über den Urin (Proteinurie), was zum Symptom schaumiger Urin führt. 4,5 Von einer Proteinurie im Zusammenhang mit dem nephrotischen Syndrom sprechen Fachleute, wenn innerhalb von 24 Stunden mehr als 3 Gramm Eiweiß über den Urin ausgeschieden werden.4,5 Geht viel Eiweiß über den Urin verloren, führt dies auch dazu, dass der Eiweißspiegel im Blut sinkt. Daher kann ein weiterer Hinweis auf das nephrotische Syndrom ein niedriger Wert des häufig vorkommenden Bluteiweißes Albumin sein, der unterhalb des gesunden Wertes von 3,5 bis 4,5 g/dl (Gramm pro Deziliter) liegt.4,5 Letztlich führt ein Zusammenspiel aus Symptomen und Laborwerten zur Diagnose nephrotisches Symptom.
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Therapiemöglichkeiten des nephrotischen Syndroms
Da das nephrotische Syndrom aufgrund bereits vorhandener Erkrankungen auftritt, steht die Behandlung der ursächlichen Krankheit im Vordergrund. Wenn die zugrundeliegende Erkrankung gut therapiert wird, klingen häufig auch die Symptome des nephrotischen Syndroms ab.2,6 Zusätzlich können weitere Maßnahmen das Nachlassen der Symptome beschleunigen. Ärzt*innen prüfen zum Beispiel, ob Blutdruck und Cholesterinwerte der Betroffenen bestmöglich eingestellt sind. Denn: Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte können zu den Symptomen des nephrotischen Syndroms beitragen.2,5,6 Auch die Ernährung kann eine Rolle bei der Linderung der Symptome spielen.
Ärzt*innen raten den Betroffenen zum Beispiel, weniger cholesterinreiche Lebensmittel zu sich zu nehmen.5,6 Des Weiteren sorgt eine salzarme Ernährung dafür, dass sich weniger Flüssigkeit im Körper einlagert, und kann damit zu einer Reduzierung von Ödemen führen.5,6
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Prognose beim nephrotischen Syndrom
Menschen mit dem nephrotischen Syndrom bewegt die Frage, welche Lebenserwartung sie infolge der Erkrankung haben. Dazu gibt es keine pauschale Antwort, da das nephrotische Syndrom von verschiedenen Erkrankungen ausgelöst werden kann, die wiederum verschiedene Auswirkungen auf die Lebenserwartung haben. Die Prognose von Patient*innen mit nephrotischen Syndrom hängt somit stark von der zugrundeliegenden Erkrankung ab. In vielen Fällen kommt es mit einer adäquaten Behandlung zu einem Abklingen oder einer Rückbildung der Symptome, auch wenn eine Heilung der chronischen Nierenerkrankung nicht möglich ist. Wichtig ist, die Grunderkrankung regelmäßig zu kontrollieren und entsprechend zu behandeln, um Rückfälle zu vermeiden.2,5
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Fatigue bei Nierenerkrankungen
Bei Betroffenen von chronischen Nierenerkrankungen tritt häufig eine schwere Erschöpfung auf.
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Juckreiz bei Nierenerkrankungen
Bei chronischen Nierenerkrankungen schränkt häufig Juckreiz die Lebensqualität von Betroffenen ein.
Quellen
- American Kidney Fund. Nephrotic syndrome treatments, causes & symptoms. https://www.kidneyfund.org/all-about-kidneys/other-kidney-problems/nephrotic-syndrome-treatments-causes-symptoms, letzter Aufruf am 10.08.2025.
- Deutsche Nierenstiftung. Nephrotisches Syndrom. https://www.nierenstiftung.de/fuer-betroffene/niere-a-bis-z/nephrotisches-syndrom/, letzter Aufruf am 10.08.2025.
- National Kidney Foundation. Nephrotic Syndrome. https://www.kidney.org/kidney-topics/nephrotic-syndrome, letzter Aufruf am 10.08.2025.
- Springer Medizin. Nephritisches und nephrotisches Syndrom bei Kindern und Jugendlichen. https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/paediatrie/nephritisches-und-nephrotisches-syndrom-bei-kindern-und-jugendlichen?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-54671-6_236, letzter Aufruf am 10.08.2025.
- Nephrotic Syndrome, Carolina Tapia, Khalid Bashir. Nephrotic Syndrome. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK470444/, letzter Aufruf am 10.08.2025.
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases. Nephrotic Syndrome in Adults. https://www.niddk.nih.gov/health-information/kidney-disease/nephrotic-syndrome-adults, letzter Aufruf am 10.08.2025.
- Universitätsmedizin Göttingen. Nephrotisches Syndrom und Nephritisches Syndrom. https://nephrologie-rheumatologie.umg.eu/patienten-besucher/nephrologie/nephrotisches-syndrom/, letzter Aufruf vom 10.08.2025.
- National Kidney Foundation. Childhood Nephrotic Syndrome. https://www.kidney.org/kidney-topics/childhood-nephrotic-syndrome, letzter Aufruf am 10.08.2025.
- Gauckler P, et al. Diagnostik und Therapie der Minimal Change Glomerulopathie beim Erwachsenen – 2023. Wien Klin Wochenschr. 2023 Sep 20;135(Suppl 5):628–637. 10.1007/s00508-023-02258-5 https://doi.org/10.1007/s00508-023-02258-5 , letzter Aufruf am 10.08.2025.
- Martin B, Smith RJH. C3 Glomerulopathy. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK1425/, letzter Aufruf am 10.08.2025.