Ärzt*innen raten Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen oftmals dazu, den Konsum von Speisesalz (Natriumchlorid) im Blick zu behalten.1,2 Warum ist das nötig und an welche Empfehlungen zur Salzmenge sollten sich Nierenkranke orientieren? Wir erläutern die Hintergründe und geben praktische Tipps, wie Sie Speisesalz einsparen können. Außerdem zeigen wir, wie Ihr Essen trotz salzarmer Ernährung richtig gut schmeckt.
Warum Salz bei kranken Nieren mit Vorsicht zu genießen ist
Ist im Zusammenhang mit der Ernährung von Salz die Rede, ist meistens Speisesalz gemeint. Die Bestandteile von Speisesalz, Natrium und Chlorid, liegen zum Beispiel in gelöster Form in unserem Blut vor 2,3 Normalerweise halten die Nieren den Salz- und Wasserhaushalt im Körper im Gleichgewicht. Das bedeutet: Gesunde Nieren scheiden Natrium und Wasser, das unser Körper nicht benötigt, wieder aus.1,3 Bei kranken Nieren mit eingeschränkter Funktion ist die Ausscheidung von Natrium jedoch nicht mehr so gut möglich. Die Folge: Es bleibt zu viel Salz im Körper. Um das lebenswichtige Verhältnis zwischen Natrium und Wasser stabil zu halten, verbleibt infolgedessen auch mehr Flüssigkeit im Organismus, was zu Wassereinlagerungen (Ödemen) führen kann.1,3
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Zudem erhöht die überschüssige Flüssigkeit das Blutvolumen (Gesamtblutmenge) und damit den Blutdruck. Dieser belastet kranke Nieren zusätzlich. Betroffene von Nierenerkrankungen sollten sich daher unbedingt an die von der Deutschen Gesellschaft (DGE) für Ernährung empfohlenen Maximalmenge von 6 Gramm Salz pro Tag halten.1,3
Natrium, ein Bestanteil von Kochsalz, ist Teil unserer Ernährung. In Deutschland nehmen viele Menschen jedoch deutlich zu viel Salz zu sich: Die Durchschnittswerte liegen für Frauen bei 8,4 Gramm und für Männer bei 10 Gramm Salz pro Tag.2 Bei Nierenkranken ist nicht nur die Ansammlung von Natrium im Körper ein Problem. Zu viel verzehrtes Salz kann aus verschiedenen Gründen auch direkt schädlich für die Nieren sein. Ein Beispiel: Ein hoher Salzkonsum schädigt die Zellen der Blutgefäße in den Nieren, was dazu führt, dass diese durchlässiger werden. Dann können bestimmte Stoffe, die der Körper eigentlich benötigt, nicht zurückgehalten werden und gelangen in den Urin. Dieser Prozess führt dazu, dass nierenkranke Personen Eiweiße (Proteine) in zu großen Mengen ausscheiden.4 Dieser Proteinurie genannte Prozess geht einher mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.5
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Hinzu kommt: Eine zu hohe Salzzufuhr verändert die Durchblutung der Nieren, sie werden schlechter mit Sauerstoff versorgt und nehmen möglicherweise Schaden. Über verschiedenste Prozesse können hohe Salzmengen auch dazu führen, dass sich das Gewebe der Niere verändert: Es bildet sich vermehrt Bindegewebe, was die Funktion der Nieren weiter stören kann. Studien zeigen außerdem, dass hoher Salzkonsum zu Entzündungen in den Nieren beitragen und diese verstärken kann.4
Besonders verarbeitete Lebensmittel stecken oft voller Salz. Zu stark salzhaltigen Produkten zählen zum Beispiel:2
- Brot und Backwaren
- Milchprodukte, vor allem Käse
- Fleisch- und Fischerzeugnisse wie Wurst, Schinken, Salzhering
- Fertiggerichte
- Snacks wie Chips, Erdnüsse und gesalzene Nüsse
- Gewürzmischungen mit Salz, Suppenwürfel, Sojasoße
Tipps für eine salzarme Ernährung
Die folgenden Tipps können Ihnen helfen, weniger Salz zu sich zu nehmen.1,3,6,7
- Verzichten Sie auf verarbeitete Lebensmittel: Aufgrund seiner konservierenden Eigenschaften und der geschmacksverstärkenden Wirkung ist Salz ein beliebter Zusatz in verarbeiteten Lebensmitteln. Im Durchschnitt nehmen wir mehr als 80 Prozent unserer täglichen Salzmenge über industriell verarbeitete Nahrungsmittel zu uns. Indem Sie selbst kochen, können Sie die aufgenommene Salzmenge besser kontrollieren.
- Achten Sie auf die Zutatenliste: Auch Lebensmittel wie zum Beispiel Cornflakes, die nicht unbedingt salzig schmecken, enthalten oftmals größere Mengen an Salz. Manchmal wird anstelle von Salz auch der Natriumgehalt angegeben. Es gilt: 1 Gramm Natrium entspricht 2,5 Gramm Speisesalz.
- Würzen Sie mit Kräutern: Salzarmes Essen braucht nicht fade zu schmecken! Nutzen Sie anstelle von Salz besser Pfeffer, Chili, Zitrone oder frische Kräuter. Testen Sie zum Beispiel einmal Kreuzkümmel oder Bockshornkleesamen. Achtung: Fertige Gewürzmischungen enthalten häufig auch Salz.
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- Erst probieren, dann salzen: Oftmals wird das Essen schon aus Gewohnheit gesalzen. Versuchen Sie, diesen Gewohnheiten entgegenzuwirken. Auf das Salzen von Nudelwasser können Sie zum Beispiel leicht verzichten. Ebenso kann es hilfreich sein, den Salzstreuer vom Tisch zu entfernen und gegen eine Pfeffermühle auszutauschen.
- Sitzen Sie es aus: Ihr Körper gewöhnt sich daran, weniger Salz zu konsumieren. Im Durchschnitt dauert es sechs bis acht Wochen, bis sich Ihr Geschmackssinn auf geringere Salzmengen eingestellt hat.
- Trinken Sie salzarm: Auch Mineralwasser enthält Salz. Trinken Sie Leitungswasser oder achten Sie bei Mineralwasser auf einen Natriumgehalt unter 20 Milligramm pro Liter (mg/l).
- Suchen Sie sich Alternativen: Viele Lebensmittel können Sie leicht ersetzen. Essen Sie zum Beispiel lieber frisches Fleisch anstelle von verarbeiteten Fleischwaren wie Würstchen. Wenn Sie zwischendurch Hunger bekommen, steigen Sie vom Käsebrot auf ein selbst gebackenes Brot mit Quark und frischen Kräutern oder Joghurt mit Müsli und Obst um.
- Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt: Sollten Sie unsicher sein, wie viel Salz Sie essen dürfen, fragen Sie immer bei Fachleuten nach. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kennt sich mit Ihrer Nierenerkrankung aus und kann Ihnen weitere Ratschläge geben.
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Quellen
- Deutsche Nierenstiftung. Ernährung bei Nierenerkrankungen. https://www.nierenstiftung.de/fuer-betroffene/niere-a-bis-z/ernaehrung-bei-nierenerkrankungen/, letzter Aufruf am 15.10.2024.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. Speisesalz. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/speisesalz/#c3360, letzter Aufruf am 11.11.2024.
- Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e. V. Salz. https://static4.kfh.de/ratgeber/Broschuere_Salz.pdf, letzter Aufruf am 05.11.2024.
- Oppelaar JJ, Vogt L. Body Fluid-Independent Effects of Dietary Salt Consumption in Chronic Kidney Disease. Nutrients. 2019; 11(11):2779. doi: 10.3390/nu11112779, letzter Aufruf am 05.11.2024.
- National Kidney Foundation. Kidney Disease and Albuminuria/Proteinuria. www.kidney.org/sites/default/files/kidney_disease_and_albuminuria-proteinuria.pdf, letzter Aufruf am 05.11.2024.
- Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH. Salz. https://www.lebensmittellupe.at/ernaehrungsempfehlungen/salz, letzter Aufruf am 15.10.2024.
- National Kidney Foundation. Top 5 Ways to Stop A-Salting Your Kidneys. https://www.kidney.org/kidney-topics/top-5-ways-to-stop-salting-your-kidneys, letzter Aufruf am 15.10.2024.