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Eiweiße (Proteine) sind ein lebenswichtiger Nährstoff. Sie spielen bei vielen Abläufen im Körper eine wichtige Rolle, etwa für das Wachstum von Gewebe. Bei einer ausgewogenen Ernährung ist die Versorgung mit Eiweiß kein Problem.Fachleute empfehlen für die Normalbevölkerung pro Tag eine Proteinaufnahme von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einer 70 Kilogramm schweren Person sind das etwa 56 Gramm Protein pro Tag.2 Aber Achtung! Ist die Nierenfunktion durch eine Erkrankung eingeschränkt, ergeben sich je nach Schwere der Krankheit unterschiedliche Empfehlungen für die Proteinzufuhr.3 Wir erläutern die Hintergründe und erklären, worauf Nierenkranke achten sollten.

Hinweise zum Eiweißkonsum für Nierenkranke (nicht dialysepflichtig)

Die Nieren spielen im Eiweißstoffwechsel eine wichtige Rolle: Sie übernehmen die Ausscheidung der Abfallprodukte, die anfallen, wenn unser Körper Eiweiße verarbeitet. Je mehr Abbauprodukte von Proteinen anfallen, desto stärker müssen die Nieren arbeiten. Geschwächte Nieren können diese Arbeit aber nur schwer leisten. Daher raten Ärzt*innen Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen häufig, ihren Proteinkonsum zu reduzieren.5 In einer Laborstudie zeigte sich, dass bei bereits vorhandener Nierenerkrankung durch eine proteinreiche Diät der Blutdruck steigt und die Nierenfunktion nachlässt. Bei gesunden Nieren konnte dieser Effekt bei proteinreicher Ernährung nicht beobachtet werde.6 Zudem lassen Daten vermuten, dass eine Ernährung mit viel Eiweiß bei chronischen Nierenerkrankungen zu Albuminurie (erhöhte Ausscheidung des Eiweißes Albumin über den Urin) und einer reduzierten glomerulären Filtrationsrate (die pro Zeitspanne von den Nieren filtrierte Menge an Blut) führen kann.7 Letztlich kommt es auf das richtige Maß an. Denn: Wenn Sie zu wenig Protein zu sich nehmen, kann dies zu einem Verlust von Muskelmasse, zu Übersäuerung und allgemeiner Schwäche führen. Ihr Proteinbedarf ist neben Gewicht und Alter auch abhängig von der Art und dem Stadium Ihrer Nierenerkrankung.8

In Deutschland empfiehlt eine Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin Personen mit chronischen Nierenerkrankungen, zwischen 0,8 und 1 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag zu sich zu nehmen. Eine Proteinzufuhr über 1,3 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht sollte vermieden werden.9 Das entspricht den Empfehlungen für die Proteinzufuhr bei Gesunden, die Eiweißmenge reicht also für eine gesunde Funktion des Körpers völlig aus. Da die meisten Menschen in Deutschland jedoch deutlich mehr Protein zu sich nehmen, bedeutet das für viele Nierenkranke, dass sie ihre Proteinzufuhr etwas reduzieren sollten.10 Diese Reduktion kann möglicherweise jedoch weniger strikt sein als bisher gedacht: Eine Studie über die Auswirkungen von proteinreicher Ernährung auf Patient*innen mit moderater Nierenerkrankung (Stadium 1–3) kam kürzlich zu überraschenden Ergebnissen.

Verschiedene proteinreiche Lebensmittel, dazwischen ein Schild mit der Aufschrift „Protein“.
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Die Studie legt nahe, dass die Vorteile einer weniger strikten Proteinreduzierung bei chronischen Nierenerkrankungen in frühen Stadien möglicherweise die Nachteile überwiegen. Nahmen die Personen etwas mehr Eiweiß zu sich, als für nierenkranke Personen normalerweise empfohlen wird, reduzierte sich ihre Sterblichkeit. Besonders ältere Personen profitieren womöglich, wenn sie etwas mehr als 1 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen.11 Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Behandlungsteam, wenn Sie unsicher sind, wie viel Eiweiß Sie zu sich nehmen können.

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Hinweise zum Eiweißkonsum für dialysepflichtige Nierenpatient*innen

Benötigen nierenkranke Personen im späteren Stadium ihrer Erkrankung eine Dialyse (Blutwäsche), werden sie als dialysepflichtig bezeichnet. Für dialysepflichtige Patient*innen gelten besondere Ernährungsempfehlungen: Aufgrund der Dialyse kommt es zu einem Verlust von Eiweißen, insbesondere, wenn eine Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse) angewendet wird. Das bedeutet: Die Betroffenen müssen jetzt mehr Proteine zu sich nehmen als Personen ohne Nierenerkrankung und sich möglichst ausgewogen ernähren. Eiweiße pflanzlicher Herkunft sind dabei Eiweißen mit tierischem Ursprung vorzuziehen. Die Empfehlung ist, dass etwa zwei Drittel der über die Nahrung aufgenommen Proteine aus pflanzlichen Quellen stammen sollten. Dies verhindert eine Übersäuerung des Körpers und reduziert auch das Risiko von zu hohen Phosphatwerten. Kranke Nieren können Phosphat oftmals nicht mehr in ausreichenden Mengen ausscheiden. Das kann zu Gefäßverkalkungen führen, zudem beeinflussen hohe Phosphatwerte den Knochenstoffwechsel negativ.4

Sie sollen proteinreiche Produkte meiden oder aber vermehrt verzehren und wissen nicht, in welchen Nahrungsmitteln viele Proteine stecken? Wir haben hier einige Lebensmittel aufgelistet, die besonders reich an Eiweiß sind:12

  • Fleisch, Geflügel, Fisch
  • Eier
  • Sojaprodukte wie Tofu und Tempeh
  • Milch, Joghurt, Käse
  • Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen und Linsen
  • Nüsse, Samen, Kerne
  • Quinoa, Amaranth, Haferflocken
  • Seitan (pflanzliches Lebensmittel aus Weizeneiweiß)
  • Vegane Ersatzprodukte auf Basis von Nüssen, Soja oder Hülsenfrüchten
     
Schematische Darstellung eines Klemmbretts.
Novartis Pharma GmbH

Immer ärztlichen Rat einholen

Egal, ob Nierenkranke via Dialyse behandelt werden oder nicht: Anpassungen der Ernährungsweise sollten grundsätzlich immer mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden, Ärzt*innen beraten ihre Patient*innen zur idealen Eiweißmenge. Neben dem Stadium der Nierenerkrankung berücksichtigen sie dabei Faktoren wie Vorerkrankungen und Medikamente. Klären Sie daher Ernährungsumstellungen vorher immer mit ihrem Behandlungsteam ab. Sie können auch nach Unterstützung durch eine Ernährungsberatung fragen, wenn Sie unsicher sind, wie Sie Ihre Proteinzufuhr gestalten können.8

Der Einfluss von Eiweißshakes und Eiweißpulver auf die gesunden Nieren

Ist zu viel Eiweiß schlecht für die Nieren? Diese Frage stellen sich auch viele Personen ohne Nierenerkrankungen, wenn sie regelmäßig Eiweißshakes oder Eiweißpulver zu sich nehmen. Häufig wird befürchtet, dass zu viel Eiweiß auch bei gesunden Personen schädlich für die Nieren ist. Ob Proteine in großen Mengen den Nieren schaden, ist noch nicht abschließend geklärt. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung fehlen aussagekräftige Langzeitstudien, um die Frage zu beantworten. Bei einer Eiweißaufnahme zwischen 1,2 und 1,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht konnten Studien jedoch kein erhöhtes Risiko für Nierenerkrankungen zeigen. Bei dauerhaft hohen Mengen über 2 Gramm ist dagegen ein schädlicher Effekt bisher nicht auszuschließen.2,13 

Schematische Darstellung eines Kopfes. Darin ein Fragezeichen.

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Stadtkarte mit roter Markierung.
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Ein umgekippter Salzstreuer mit einem Haufen Salz davor
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Zwei Frauen und ein Mann gehen mit großen Schritten und Nordic-Walking-Stöcken in den Händen über eine Wiese.
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Sport und Bewegung 
bei Nierenerkrankung

Bei einer Nierenerkrankung lohnt es sich, regelmäßig aktiv zu sein. Erfahren Sie, worauf es dabei ankommt.

Quellen

  1. The European Food Information Council. Was sind Proteine und welche Funktionen erfüllen sie im Körper? https://www.eufic.org/de/in-unserem-essen/artikel/was-sind-proteine-und-welche-funktionen-erfullen-sie-im-korper/, letzter Aufruf am 14.10.2024.
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. Wie viel Protein brauchen wir? https://www.dge.de/presse/meldungen/2011-2018/wie-viel-protein-brauchen-wir, letzter Aufruf am 05.11.2024.
  3. Deutsche Nierenstiftung. Ernährung bei Nierenerkrankungen. https://www.nierenstiftung.de/fuer-betroffene/niere-a-bis-z/ernaehrung-bei-nierenerkrankungen/, letzter Aufruf am 15.10.2024.
  4. Deutsche Nierenstiftung. Faltblatt: Ernährung bei Nierenerkrankungen. www.nierenstiftung.de/wp-content/uploads/2024/08/DNS_Faltblatt_Ernaehrung_10S_2024_Ansicht.pdf, letzter Aufruf am 09.10.2024.
  5. National Kidney Foundation. CKD Diet: How much protein is the right amount? https://www.kidney.org/kidney-topics/ckd-diet-how-much-protein-right-amount, letzter Aufruf am 09.10.2024.
  6. Tanaka, S, Wakui, H, Azushima, K et al. Effects of a High-Protein Diet on Kidney Injury under Conditions of Non-CKD or CKD in Mice. Int. J. Mol. Sci. 2023, 24, 7778, doi: 10.3390/ijms24097778, letzter Aufruf am 09.10.2024.
  7. Ko GJ, Rhee CM, Kalantar-Zadeh K et al. The Effects of High-Protein Diets on Kidney Health and Longevity. J Am Soc Nephrol. 2020 Aug;31(8):1667-1679. doi: 10.1681/ASN.2020010028, letzter Aufruf am 09.10.2024.
  8. National Kidney Foundation. Nutrition and Kidney Disease, Stages 1-5 (Not on Dialysis). https://www.kidney.org/kidney-topics/nutrition-and-kidney-disease-stages-1-5-not-dialysis, letzter Aufruf am 09.10.2024.
  9. Versorgung von Patienten mit chronischer nicht-dialysepflichtiger Nierenerkrankung in der Hausarztpraxis. S3-Leitlinie AWMF-Register-Nr. 053-048 DEGAM-Leitlinie Nr. 22. https://register.awmf.org/assets/guidelines/053-048l_S3_Versorgung-von-Patienten-mit-nicht-dialysepflichtiger-Niereninsuffizienz__2021-01.pdf, letzter Aufruf am 05.11.2024.
  10. GEO. Faktencheck: Wie viel Eiweiß ist wirklich gesund? https://www.geo.de/wissen/ernaehrung/faktencheck--wie-viel-eiweiss-ist-gesund---34315076.html, letzter Aufruf am 05.11.2024.
  11. Bublak R. Proteinkonsum kann chronisch Nierenkranken nützen. Springer Medizin. 24.09.2024. https://www.springermedizin.de/chronische-nierenerkrankung/ernaehrung/proteinkonsum-kann-chronisch-nierenkranken-nuetzen/50020334, letzter Aufruf am 05.11.2024.
  12. Schweizerische Gesellschaft für Ernährung. Proteinquellen. https://www.sge-ssn.ch/media/wgilt20j/sge_infoflash_proteine_de.pdf, letzter Aufruf am 09.10.2024.
  13. Ärzte Zeitung. Was steckt hinter dem Protein-Hype? https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Was-steckt-hinter-dem-Protein-Hype-222898.html, letzter Aufruf am 09.10.2024.