Kalium steckt in nahezu allen Lebensmitteln, manche von ihnen wie bestimmte Obst- und Gemüsesorten haben sogar einen recht hohen Kaliumgehalt.1 Der Verzehr dieser Lebensmittel ist kein Problem, solange die Nieren noch gut funktionieren. Nehmen Nierenkranke im fortgeschrittenen Stadium ihrer Erkrankung zu viel Kalium auf, kann das jedoch gefährliche Konsequenzen haben – es drohen zum Beispiel Herzrhythmusstörungen.2 Wir erläutern die Hintergründe, stellen besonders kaliumreiche Lebensmittel vor und zeigen auch mögliche Alternativen auf.
Kalium bei Nierenerkrankungen
Elektrolyte (chemische Verbindungen mit einer elektrischen Ladung) wie Kalium oder Natrium spielen bei vielen Prozessen im menschlichen Körper eine wichtige Rolle. Kalium erfüllt gemeinsam mit Natrium zum Beispiel eine bedeutsame Funktion bei der elektrischen Informationsweiterleitung zwischen den Nervenzellen. Sind die Nieren gesund, helfen sie dabei, den Kaliumhaushalt des Körpers im Gleichgewicht zu halten. Das bedeutet: Sie scheiden überschüssiges Kalium aus oder halten es bei Bedarf zurück.3 Bei Nierenerkrankungen im fortgeschrittenen Stadium kann Kalium nicht mehr in ausreichenden Mengen ausgeschieden werden und reichert sich im Körper an. Fachleute sprechen von einer Hyperkaliämie.4 Bei zu hohen Mengen an Kalium ist unter anderem die bereits erwähnte Informationsweiterleitung zwischen den Zellen gestört. Die möglichen Folgen: Betroffene beschreiben oftmals ein Kribbeln im Mundbereich. Zudem sind Muskelzuckungen und Lähmungen möglich. Auch das Herz kann betroffen sein und es können Beschwerden wie Herzrhythmusstörungen auftreten.1,5 Arbeitet das Herz nicht mehr richtig, werden auch andere Organe nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Eine Hyperkaliämie kann außerdem einen Darmverschluss und Lungenversagen auslösen und in schweren Fällen zum Herzstillstand führen.6,7
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Empfehlungen zum Kaliumkonsum bei Nierenkranken
Aus den oben genannten Gründen raten Ärzt*innen Personen mit einer Nierenerkrankung im fortgeschrittenen Stadium bei Bedarf zu einer kaliumarmen Ernährung. In diesem Fall ist es wichtig zu wissen, welche Lebensmittel besonders viel Kalium enthalten. Wir listen im Folgenden einige Lebensmittel auf, die besonders kaliumreich sind – und Alternativen, die Sie in moderaten Mengen verzehren können.8-11
Lebensmittel mit viel Kalium
- Obst: Aprikosen, Bananen, Granatäpfel, Kiwis, Mangos, Melonen, Nektarinen, Obstsäfte, Orangen, Papayas, Pflaumen, Trockenobst
- Gemüse: Avocado, Brokkoli, Gemüsesäfte, Kartoffeln, Kohlrabi, Kürbis, Pastinaken, Rosenkohl, schwarze Bohnen, Spinat, Süßkartoffel, Tomaten
- Weitere Nahrungsmittel: Dinkel-, Roggen- und Buchweizenvollkornmehl, Hülsenfrüchte (getrocknete Bohnen, Erbsen, Linsen), dunkle Schokolade, Erdnussbutter, Joghurt, Kleie, Milch, Nüsse und Samen
Lebensmittel mit weniger Kalium
- Obst: Ananas, Äpfel, Birnen, Blaubeeren, Clementinen, Cranberrys, Grapefruits, Himbeeren, Pfirsiche, Trauben
- Gemüse: Aubergine, Eisbergsalat, grüne Bohnen, Gurke, Kohl, Mais, Rettich, Rüben, Sellerie, Spargel, Zwiebeln
- Weitere Nahrungsmittel: Brot, Nudeln, Reis, Reis- und Hafermilch, Konfitüre
Wichtig ist: Kaliumreiche Lebensmittel sind nicht grundsätzlich verboten, es ist jedoch wichtig, dass Sie die täglich konsumierte Menge im Blick behalten. Zudem gibt es einen Trick, um das Kalium zumindest zum Teil aus den Lebensmitteln zu entfernen: Da Kalium wasserlöslich ist, hilft es, das Obst oder Gemüse klein zu schneiden und für etwa drei Stunden in der zehnfachen Menge Wasser einzulegen. Das Wasser muss anschließend weggegossen werden. Anschließend kann das Gemüse in frischem Wasser gekocht werden.7
Tipp: Notieren Sie in einem Ernährungstagebuch, was Sie über den Tag verteilt zu sich nehmen. Besonders praktisch für den Alltag sind Notizen in digitaler Form, zum Beispiel in einer App. Hat Ihr Behandlungsteam Ihnen eine kaliumarme Diät angeraten, können Sie auf diese Weise die Menge an bereits verzehrten kaliumreichen Lebensmitteln leichter im Blick behalten.
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Ernährung: Kaliumarm und trotzdem ausgewogen
Wird Nierenerkrankten ein reduzierter Kaliumkonsum angeraten, kann es dazu kommen, dass sie Obst und Gemüse aus Sorge vor eine zu hohen Kaliumzufuhr gänzlich meiden. Studien zeigen jedoch, dass eine pflanzlich basierte Ernährung bei Personen mit chronischen Nierenerkrankungen viele gesundheitliche Vorteile bietet und etwa positive Auswirkungen auf die Herzgesundheit hat. Zudem nimmt den Studienergebnissen zufolge die Nierenfunktion bei bereits erkrankten Personen schneller ab, wenn sie viel Fleisch und wenig pflanzliche Nahrungsmittel konsumierten. Bei einer kaliumarmen Ernährungsweise sollte daher trotzdem regelmäßig Obst und Gemüse auf dem Speiseplan stehen.12 Um sich nierenfreundlich, aber trotzdem ausgewogen zu ernähren, können Betroffene von chronischen Nierenerkrankungen auch Rat bei einer Ernährungsberatung einholen und sich Alternativen zu kaliumreichen Obst- und Gemüsesorten aufzeigen lassen.
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Achtung, Diätsalz
Betroffene von chronischen Nierenerkrankungen sollten unter Umständen neben dem Kaliumkonsum auch ihren Salzkonsum reduzieren. Als Alternative zu herkömmlichem Salz gibt es sogenanntes Diätsalz ohne den Inhaltsstoff Natrium. Doch Vorsicht: Anstelle von Natrium enthält das Diätsalz größere Mengen an Kalium. Daher sollten Sie bei einer eingeschränkten Funktion Ihrer Nieren auch auf Diätsalz verzichten.13 Sprechen Sie bei Untersicherheiten Ihr Behandlungsteam dazu an.
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Quellen
- Gesundheit.GV.AT. Kalium. https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/vitamine-mineralstoffe/mengenelemente/kalium.html, letzter Aufruf am 22.10.2024.
- Deutsche Nierenstiftung. Ernährung bei Nierenerkrankungen. www.nierenstiftung.de/fuer-betroffene/niere-a-bis-z/ernaehrung-bei-nierenerkrankungen/, letzter Aufruf am 21.10.2024.
- Amboss. Wasser- und Elektrolythaushalt. https://next.amboss.com/de/article/lo0vXS, letzter Aufruf am 21.10.2024.
- Kim SM, Jung JY. Nutritional management in patients with chronic kidney disease. Korean J Intern Med. 2020 Nov;35(6):1279-1290. doi: 10.3904/kjim.2020.408, letzter Aufruf am 21.10.2024.
- Deutsche Nierenstiftung. Hohes Kalium im Blut – Hyperkaliämie. https://www.nierenstiftung.de/fuer-betroffene/niere-a-bis-z/hyperkaliaemie-kalium-und-niere/, letzter Aufruf am 21.10.2024.
- Deutsche Nierenstiftung. Faltblatt. Hyperkaliämie. Kalium und die Nieren. www.nierenstiftung.de/wp-content/uploads/2024/08/DNS_Faltblatt_Kalium_8S_2024_Ansicht.pdf, letzter Aufruf am 21.10.2024.
- Selbsthilfe Niere Mittelhessen e. V. Kalium im Blick. https://www.selbsthilfe-niere-mittelhessen.de/kalium-im-blick/, letzter Aufruf am 21.10.2024.
- Internisten im Netz. Tipps für Nieren-Patienten. https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/nierenschwaeche-chronisch/tipps-fuer-nieren-patienten.html, letzter Aufruf am 21.10.2024.
- National Kidney Foundation. Your guide to a low-potassium diet. https://www.kidney.org/sites/default/files/NKF_Guide_to_Low_Potassium_Diet_Final_0.pdf, letzter Aufruf am 21.10.2024.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. Kalium. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/kalium/#c3418, letzter Aufruf am 21.10.2024.
- Kidney Care UK. Lowering your potassium levels. https://kidneycareuk.org/get-support/healthy-diet-support/lowering-your-potassium-levels/, letzter Aufruf am 21.10.2024.
- Clegg DJ, Headley SA, Germain MJ. Impact of Dietary Potassium Restrictions in CKD on Clinical Outcomes: Benefits of a Plant-Based Diet. Kidney Med. 2020 Jun 15;2(4):476-487. doi: 10.1016/j.xkme.2020.04.007, letzter Aufruf am 21.10.2024.
- Gesundheitsinformation.de. Ernährung und Bewegung bei einer chronischen Nierenkrankheit. www.gesundheitsinformation.de/ernaehrung-und-bewegung-bei-einer-chronischen-nierenkrankheit.html, letzter Aufruf am 21.10.2024.